Freitag, 25. März 2011

Japan und das hiesige Leben

Wieder einmal ist einer solchen Tage, wo ich darüber nachdenke, was wir Deutschen eigentlich für Jammerlappen sind.
In Japan gab es Erdbeben, einen Tsunami und ein Atomkraftwerk, das wahrscheinlich schon den Super - GAU hinter sich hat, ist so ziemlich einem grausamen Untergang geweiht und ich, als Deutsche, schäme mich meines Landes, weil meine Landsleute sich Geigerzähler und Jod-Tabletten kaufen, weil sie eine atomare Verseuchung fürchten.
Was man nicht alles mit dem Geld an Rettungsaktivitäten für Japan hätte mobilisieren können.
Die große Ich-Gesellschaft der westlichen, kommerziellen Welt ist zum Abgewöhnen.
Statt dem ehrlichen Mitgefühl sehe ich einen nahezu grotesken, ja paradoxen Widerspruch.

Auch ich muss feststellen, dass ich einer derjenigen Menschen bin, die vor Wut aufheulen könnte, weil ich

1. Nichts für das Land tun kann, weil ich keine Münze übrig habe, weil ich es zum Überleben brauche
2. Ich nicht nach Japan fliegen kann, um den Menschen zu helfen, weil die Flüge ein halbes Vermögen kosten.
3. Ich mir die Welt schön mache, in dem ich Videos drehe, an denen ich Spaß habe, obwohl die Japaner dort unten in Minusgraden frieren.
4. Ich feststellen muss, wie ignorant man als Mensch doch ist, wenn es alles so weit weg ist.

Ja, warum verhalten wir uns eigentlich so? Warum leben wir unser Gottverdammtes Leben einfach so weiter, ohne darüber nachzudenken, wie es den Menschen dort drüben geht. Sollten wir nicht ein schlechtes Gewissen haben, so zu leben? Sollte man nicht eigentlich solidarisch mit den Leuten mitfrieren?
Sollte man nicht weniger essen - ist das nicht eigentlich die Art, wie man darauf reagieren sollte?
Dennoch ist es in dem Verstand festgebohrt, dass man sich für andere Menschen nicht selbst vernachlässigen kann. Man kann sich nicht zu Tode hungern, weil tausende leiden.
Tod und Zerstörung ist so alltäglich geworden, dass zwar so ein gewaltiges Ausmaß schockiert und betroffen macht, aber zwanzig Tote im Nahen Osten doch als Belanglosigkeit angesichts der Größenordnung in Libyien oder Japan.
Was wird der Welt passieren? Hat 2012 tatsächlich eine wahre Tendenz? Ist das der Auftakt?
Eines ist jedoch klar, wir Deutschen sind Jammerlappen, weil wir statt Mitleid zu empfinden, auf unsere Regierung schimpfen, weil sie auf jahrelange Demonstrationen reagieren, weil wir unsere Regierung selbst zerstören und die Medien so einen derart unsinnig gefährlichen Einfluss haben, dass ganze Deutschland glauben würde, Ufos würden landen, wenn es in der Bild stünde.
Viel, viel erschreckender jedoch ist, dass wir uns über Geldprobleme aufregen - die ja tatsächlich auch da sind - aber in Japan niemand wirklich Geld hat, weil sie alles verloren haben.
Wir regen uns über die Preise des Essen auf, wo in den Entwicklungsländern Kinder bereits bei Geburt sterben oder im Laufe der ersten zehn Jahre - eben an Hunger.
Wir regen uns darüber auf, dass wir E 10 benutzen sollen, obwohl doch in anderen Ländern man gar keine Autos kennt.

Außerdem frage ich mich immer noch, ob man die höhere Macht unserer Welt wirklich als Gott, Allah oder eine durch und durch positive Macht bezeichnen kann ... denn wenn dem so wäre, dann hätten diese "Gutgötter" wirklich eine Tracht Prügel verdient, dass sie so wenig im Augenblick tun.
Sind diese Götter vielleicht wütend, weil ihre Schützlinge sich gegenseitig die Leiber durchlöchern und trinken Tee miteinander um der Apokalypse zuzusehen? Doch warum schützen sie dann nicht, die siebzehn verstrahlten Männer, die Heldenmut bewiesen haben, Tapferkeit darboten und für ihr Land kämpften. Über diese Götter kommt mir die Galle hoch. Vielleicht gibt es ja auch einen Gott und ein Allah und sie sind durch die Schlechtigkeit der Menschen so geschwächt, dass der Teufel leichtes Spiel hat und der apokalyptische dritte Antichris schon unter uns weilt.
Ich glaube mittlerweile daran, dass es eine hohe Macht gibt, die Gut und Böse gleichermaßen ist - die sich nach der Mentalität des Menschen richtet - oder aber die Biologen haben Recht und wir sind einfach nur ein albernes Tier, das eine viel zu hohe Meinung von sich selbst hat.

In mir regen sich meine eigenen positiven und freudigen Tage dieses Monates und mein Gewissen bestraft mich sehr für den Spaß, den ich habe - weil eigentlich müsste ich mitfühlen, mit Grauen dauerhaft erfüllt - weil diese Schrecken in dieser Welt einfach kein Ende mehr haben wollen.
Während ich es vermisse den dritten Band "Die Meisterin" von Trudi Canavan zu lesen, vermissen die Überlebenden in Japan ihre verlorenen Familienmitglieder - ihre Ehemänner und Ehefrauen - Großmütter vermissen ihre Kinder und Enkel.
Was für eine groteske, zutiefst übelkeitserregende Situation zwischen Freud und Leid.

glg Teleri

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