Montag, 31. August 2015

Traurige Entwicklung und Gegenkommentar

Ich habe es jetzt sehr lange beobachtet. Habe mich mit Stirnrunzeln in Zeitungsartikeln verbissen, habe gelesen, den Kopf geschüttelt und nun wirklich keine Lust mehr den Mund zu halten.
Es ist beschämend, eine Katastrophe, eine absolute Peinlichkeit, die sich einige meiner Landsleute hier in Deutschland zu Schulden kommen lassen.
Wir können sicherlich sagen, dass uns die Flüchtlingswelle vom Verwaltungsaufwand her überfordert. Aber dass es uns menschlich überfordert, das ist ein absolut ernüchterndes, schreckliches und grausames Ergebnis.
Wo sind die Leute hin, die am 24. Dezember ihr Geld für Spenden rausgeben, um einmal im Jahr mal kein schlechtes Gewissen zu haben? Wo sind die Menschen mit ihren kreativ, gutmütigen Einfällen? Warum zur Hölle lassen wir es zu, dass Rechtsradikalismus, Populismus und Überfremdungsfurcht dazu führen kann, das Gebäude in Brand gesetzt werden, wo Flüchtlinge ihre Unterkunft haben.
Da wohnen Menschen in einem Land, in dem Krieg herrscht, in dem sich Selbstmordattentäter in Einkaufszentren, in Cafés und auf Märkten, um nur einige Beispiele zu nennen, in die Luft sprengen und anderen Menschen unschuldige Familienmitglieder wegnehmen. Väter, Mütter, Töchter, Söhne, Großväter, Großmütter, Enkel, Nichten, Neffen - Familienbande eben - sterben durch die Explosion, werden von Schutt und Geröll erschlagen und sie werden zerfetzt, viele, viele Leute werden verletzt, traumatisiert und verängstigt - sie werden unterdrückt, gejagt, gezwungen dem eigenen Heimatland den Rücken zuzukehren, weil es einfach nichts mehr gibt, was einen noch hält. Eltern fliehen mit ihren Kindern, um ihnen ein neues - besseres Leben zu ermöglichen. Also begeben sie sich auf die Reise, auf eine Reise, die fernab aller unserer Vorstellungskraft liegt. Eine gefährliche Reise, die auch genauso in den Tod führen kann, wie das bleiben.
Die Wahl zwischen Pest und Cholera in dem Fall. Man lässt alles zurück, Heim, Verwandte, Freunde ... alles, einfach alles, die Erinnerungen bleiben, die Sehnsucht quält sich durch das Herz und trotzdem nur dieser eine Gedanke: Ein besseres Leben, bitte!
Also treten sie die gefährliche Flucht an. Bezahlen mit Hab und Gut, dass sie über die Grenzen geschmuggelt werden. Sie tun alles, um rauszukommen. Sind zusammengepfercht, leben in einer Geruchswolke aus Angstschweiß, Hitzeschweiß, Fäkaliengestank und vielleicht auch septischen Noten der angehenden Verwesung.
Das Einzige was sie antreibt, ist die Hoffnung auf eine bessere Welt. Sie tun sich das an, um Hilfe zu finden und hier in meinem Heimatland wird plötzlich selektiert. Wirtschaftsflüchtling und Kriegsflüchtling - Punkt A der mich stört. Schnellere Abfertigung der Asylverfahren - zweiter Punkt der mich stört. Der aber nur in der Politik verändert werden kann. Gut, dazu kann man stehen wie man will.
Allerding ist der Punkt, der mich aufregt, der mich an die Grenzen des absoluten Unverständnisses führt - das Verhalten dieser verblendeten Trottel, die glauben, sie würden im Namen aller Deutschen handeln, wenn sie Flüchtlingsunterkünfte anzünden. Ihr verbrennt deren Hoffnung! Das bisschen gottverdammte Hoffnung, dass sie noch haben! Das hat keiner verdient. Weder ein Rumäne, noch ein Syrer, noch ein Albaner, noch sonst irgendein Mensch auf diesem Planeten.
Spendet lieber Sachen! Helft den Leuten! Bringt alte Kuscheltiere zu den Kindern, damit die kleinen Hände noch zusätzlich etwas haben, dass ihnen Halt spendet.
Ihr macht es mit eurer Gewalt nur noch schlimmer. Das sind Verbrechen, die ihr begeht, wenn ihr Flüchtlinge verprügelt, ihnen die wenigen Besitze noch abfackelt ... Es sind nicht nur Verbrechen an der Menschlichkeit, das sind Gesetze, die überhaupt und allgemein vom StGB  erfasst sind. Die sind nicht plötzlich legitimiert, weil die Flüchtlinge kein Deutsch sprechen - wer das glaubt, ist verboten Intelligenzfern.
Die können uns keine Arbeit wegnehmen, ihr Parolenliebhaber und Geblendete. Manch einer von ihnen will sogar nur so lange bleiben, bis in den Heimatländern wieder überhaupt ein Leben möglich ist.
Wenn ihr was dagegen tun wollt, könnt ihr nicht die Flüchtlinge bestrafen. Die Wurzel allen Übels sitzt in den Regierungen jener Länder. Die Wurzel allen Übels liegt in der Dogmatik. Diese Menschen, die da zu uns kommen, diese Flüchtlinge, die eigentlich unser Herz berühren sollten, statt den Hass in manchen einsamleeren Köpfen, sind auch nur diejenigen, die unter den Folgen der Kriege, unter den Folgen profitgeiler und diktatorischer Staatsköpfe leiden. Geht in die Ecke, schämt euch, geht in den Knast für eure Untaten, habt ruhig einen Eintrag in eurem Strafregister und hoffentlich erschwert euch das auch noch einiges nachträglich im Leben. Damit ihr nur einen minimalen Geschmack darauf habt, was die Flüchtlinge durchmachen müssen. Trotzdem lebt ihr immer noch wie Gott in Frankreich, während diese Leute ihren Grundstein neu legen müssen.
In dem Sinne sage ich: Alle anderen die sich bereit erklären, etwas für die Flüchtlinge zu tun und unterstützend eingreifen, die darüber nachdenken, wie man Lösungen finden kann, ja wie man sinnvoll helfen kann. Ihr seid großartig und danke, dass ihr auch da seid. Ihr seid meine Hoffnung, das Deutschland noch lange nicht völlig hinüber ist.